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Berufsunfähigkeits
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Versorgungssituation für den Fall vorzeitiger Invalidität oder Berufsunfähigkeit.

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Es ist ein weitverbreiteter Irrtum ein Anwalt könne nur schwer berufsunfähig werden. Das Gegenteil ist der Fall. Hier muss ein Vergleich mit anderen kaufmännisch verwaltenden Tätigkeiten erlaubt sein. Stellt man auf die Statistiken der BfA ab, wird fast jeder vierte Angestellte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig berufsunfähig. Was für Angestellte gilt muss erst recht für Rechtsanwälte gelten!
Warum?   Das berufliche Anforderungsprofil eines Anwalts geht weit über das Anforderungsprofil hinaus, was von  Angestellten abverlangt  wird.
Die anwaltliche Tätigkeit stellt besondere Anforderungen hinsichtlich kommunikativer Fähigkeiten, die ständig eine hohe geistige Präsenz und Mobilität erfordern.
Die große Verantwortung gegenüber Mandanten und dem eigenen Büropersonal, die Fähigkeit vor Gericht und in der Öffentlichkeit auftreten zu können. Dieses hohe Anforderungsprofil kann wesentlich schneller zu einer Berufsunfähigkeit führen.


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Anders sieht die Sache aus der Sicht der anwaltlichen Pflichtversorgung aus: Danach kann ein Anwalt nur schwer berufsunfähig werden: Zwar sehen die Satzungen der Versorgungswerke eine Berufsunfähigkeitsrente vor, doch , "hängen die Trauben hoch" bei der anwaltlichen Pflichtversorgung: 

Nur der, der zu 100 % unfähig ist, zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufs und seine berufliche Tätigkeit einstellt, erhält BU-Rente!
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Die Absicherung des Risikos Berufsunfähigkeit durch das Versorgungswerk für Rechtsanwälte wird aber durch diesen Passus entscheidend geschwächt. Diese Bestimmung stellt eine harte Restriktion dar. Gefordert wird die vollständige Liquidation des Berufsweges, für den man sich als angehender Jurist einmal entschieden hat. Alle Zeit, aller Aufwand, alle Kosten und Mühen, die mit dem Studium der Rechtswissenschaft verbunden waren, stehen damit zur Disposition. Die erworbenen Zusatzqualifikationen, Abschlüsse im Ausland oder eine teuer bezahlte Weiterbildung zum Fachanwalt werden im engeren Sinne nutzlos. Was das Versorgungswerk eine Berufsunfähigkeitsrente nennt, ist faktisch eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Leistungen erhalten nur diejenigen, die ihrem ehemaligen Beruf entsagen. In der Konsequenz heißt das: Juristen, die noch teilweise arbeiten können, sind durch das Versorgungswerk nicht adäquat abgesichert.

Das bedeutet: Eine erhebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit reicht nicht aus, um die ersehnte Rente zu bekommen. Dies ist aber der häufigere Fall , der zu empfindlichen - wenn nicht sogar - zu existenzbedrohlichen Situationen führen kann. Die Konsequenz ist, daß viele Betroffene Kollegen sich überfordern und voll weiterarbeiten, obwohl sie "kürzer treten müßten" .Viele haben sich auf ihr Einkommen eingestellt und sind in der Regel entsprechende finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Die BU-Rente des Versorgungswerks kann nur als ein Notnagel für den Super-Gau angesehen werden.

Wer dem vorzeitigen Versorgungsblackout entgehen will, ist gut beraten eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, ehe es zu spät ist, weil viele Vorerkrankungen zu Ausschlüssen oder sogar zur völligen Ablehnung des Schutzes führen. Wegen der zu erwartend hohen Zahlungen (im Einzelfall u.U. mehr als sechsstellige € Beträge) sind die Versicherer bei der Gesundheitsprüfung noch pingeliger als die Krankenversicherer. Ein Hexenschuß kann schon Zuschläge oder Ausschlüsse zur Folge haben. Hoher Blutdruck ,Herzkrankheiten und die Volkskrankheit Diabetes führen i.d.R. zur völligen Ablehnung. Ein temporärer Heuschnupfen wird meistens. von den Versicherern ohne Erschwerungen akzeptiert. Gesellt sich eine zweite Allergie hinzu, drohen Ausschlüsse und Zuschläge. Allergisches Asthma führt zur völligen Ablehnung.

Ein solcher Schutz kann also nie früh genug abgeschlossen werden, möglichst schon als Referendar oder Student. Wenn die finanziellen Voraussetzungen beim Berufsanfänger für einen ausreichenden Schutz nicht gegeben sind, sollte wenigstens ein kleiner Vertrag abgeschlossen werden, der dann mit dynamischer Beitragserhöhung versehen wird. Der Schutz erhöht sich so von Jahr zu Jahr ohne daß eine Gesundheitsprüfung erforderlich wird. Bei einer angenommenen Beitragserhöhung von jährlich 10% ergibt sich schon nach 7 Jahren eine Verdopplung der vertraglichen Leistungen. Wünscht der Versicherte keine Beitragserhöhung mehr, kann die Beitragsdynamik jederzeit ausgesetzt werden. In Finanztest 8/04 wurden fast alle deutschen Anbieter auf Bedingungen und Beitrag getestet. Von über 100 getesteten Anbietern schnitten immerhin 17 mit einem „Sehr Gut" ab. . Finanztest hat die Note „Sehr Gut" davon abhängig gemacht, daß die Bedingungen eine abstrakte Nichtverweisung für den berufsunfähigen Versicherten vorsehen. Er kann also nicht auf eine Tätigkeit      verwiesen werden, die er von seinen Restfähigkeiten her noch ausüben könnte. Übt er dagegen diese Tätigkeit aus oder läßt sich umschulen und erzielt Erwerbseinkommen, kann er auf diese konkret ausgeübte Tätigkeit verwiesen werden - auch bei den sehr gut getesteten Versicherern. Dies nennt sich konkrete Verweisung. Keiner dieser Versicherer bietet die sog. konkrete Nichtverweisung oder absolute Nichtverweisung an.

Vorteilhafter hat die  DANV (Deutsche Anwalt- und Notar-Versicherung), die als nicht für jedermann zugängliche Spezialversicherung für Juristen in diesem Test nicht aufgeführt wird, diese Problematik in ihren Bedingungen  geregelt
Eine Verweisung auf eine andere Tätigkeit - auch wenn diese tatsächlich ausgeübt wird - ist nicht möglich. Diese Form ist die schärfste Regelung der Nichtverweisung, sie nennt sich die "absolute Nichtverweisung". Sie umfaßt die Abstrakte Nichtverweisung (Der Verweisungsberuf wird nicht ausgeübt) und die konkrete Nichtverweisung. (Der Verweisungsberuf wird tatsächlich ausgeübt). Liegt diese Regelung vor, kann der Versicherte - ohne die BU-Rente einzubüßen - in jedem anderen Beruf, auch nach Umschulung - sogar Full Time weiterarbeiten und beliebig viel hinzuverdienen. 

BU-Schutz für Rechtsanwälte:
Diese Vorteilsregelungen einschließlich der absoluten Nichtverweisung gelten selbstverständlich erst recht  für Rechtsanwälte, nur daß hier die DANV den maßgeblichen Beruf in einer anderen Weise definiert, als die getesteten Assekuranzen: Maßgeblicher Beruf ist nicht der zur Zeit des Eintritts der BU ausgeübte Beruf, sondern der zur Zeit des Vertragsabschlusses vorhandene Beruf. D.h. der BU-Schutz wird nicht davon abhängig gemacht, ob der Beruf des Rechtsanwalts noch ausgeübt wird.

Abstrakte Indikation der BU.
Der begutachtende Privatarzt hat abstrakt zu prüfen, ob der Versicherte noch den Beruf des RA zu weniger als 50% ausüben könnte. Ob der Beruf noch ausgeübt wird oder nicht spielt keine Rolle. Wer sich aus dem Beruf zurückgezogen hat, z.B. als Privatier oder er übt eine minderqualifizierte Tätigkeit aus, behält nach wie vor seinen vollen  berufsspezifischen Schutz. Diese Regelung ist gerade für Rechtsanwältinnen besonders vorteilhaft, wenn diese sich aus dem Beruf zurückgezogen haben, um sich Familie und Kindern zu widmen. Auch hier bleibt der berufsspezifische Schutz voll erhalten, weil die Maßzahl 50% Berufsunfähigkeit nicht auf die Tätigkeit einer Hausfrau bezogen wird. 
Da die Verweisungsproblematik das entscheidende Kriterium bei der Bewertung der BU-Bedingungen ist, wird auf die Abhandlung weiterer Punkte sekundärer Natur  verzichtet. Diese Punkte, die durchaus auch von Bedeutung sind, werden in beigefügter Checkliste zur Berufsunfähigkeitsversicherung erschöpfend aufgezählt.

Vor dem Hintergrund der rechtlichen Situation ist die Schlussfolgerung zwingend. Eine private Vorsorge gegenüber dem Thema Berufsunfähigkeit ist unabdingbar. Besteht aber hinsichtlich des Absicherungsbedarfs überhaupt eine Versicherbarkeit der betreffenden Person? Wie im Bereich der Krankenversicherung ist die Beantragung des Versicherungsschutzes von einer strengen Gesundheitsprüfung abhängig. Bestehen bereits gesundheitliche Risiken, muss als Konsequenz ein Risikoausgleichsbetrag oder sogar der Ausschluss der schon existenten gesundheitlichen Beeinträchtigung hingenommen werden. Hier entstehen uneinholbare Versorgungslücken.
Jeder junge Mensch sollte daher diese Lücke frühzeitig schließen. Die individuelle berufliche oder Ausbildungssituation und die Unübersichtlichkeit des Marktes bedeuten dabei: Eine gute Beratung tut Not! 


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